Weltfrauentag. Diese Woche wurden wir gefeiert und tatsächlich fand ich es ganz charmant, wie viele wertschätzende Worte von Seiten der Männer und Kampfansagen und Solidaritätstatements seitens der Frauen durch die Social Media Kanäle schossen. Meinem Östrogenspiegel und seinen Kumpels habe ich es zu verdanken, dass ich vollkommen übertrieben gerührt war von so viel digitaler Liebe. Denn, erwischt man mich  in der richtigen Phase meines Zyklus kann man mich prompt mit einem Herz Icon zum Weinen und ausverkaufter Kinderschokolade beim Spätkauf zum Wüten bringen. Sorry Leute, das war ich nicht. Das waren meine Hormone, möchte ich dann zu meiner Verteidigung sagen. Wir herrlichen Geschöpfe namens Frauen haben nämlich schon allein aus einem einzigen Grund allen Respekt verdient: Wir müssen uns mit diesem Hormonzyklus rumschlagen.
Im Körper einer Frau wird es nie langweilig. Unser Hormoncocktail wird regelmäßig neu gemixt und so können wir tagtäglich gespannt sein, welcher Geschmack des Lebens heute auf uns wartet. Angeblich entscheidet ein Milliardstel Gramm Hormon über unser Wohlbefinden und Lebensgefühl. Möchte ich sofort glauben, denn so könnt ich mir erklären, weshalb es mir Montags spielend leicht fällt um die Häuser zu joggen und mir am Samstag die Treppenstufen zu meiner Wohnung im fünften ersten Stock wie der Akt eines Leistungssportlers vorkommen.
Fitness, Aussehen, sexuelle Ausstrahlung, Konzentration, Gesundheit- all das hängt also von diesen fiesen Biestern namens Hormone ab, bei der einen Frau mehr, bei der anderen weniger. Meine größte Sorge war es lange, dass es diesen Perioden Terror in Wirklichkeit gar nicht gibt und das meine wirkliche Persönlichkeit ist. Ich bin mir mittlerweile jedoch vollkommen sicher, ich bin ein absolutes Opfer meiner Hormone. Es gibt zwei Phasen innerhalb meines Zyklus, da bin ich nicht mehr bei klarem Menschenverstand. Da würd ich mich gern krank melden. Da kann ich jeden verstehen, der vor mir die Flucht ergreift. Da bin ich der beste Kunde in der Karstadt Süßwarenabteilung. Da kann man von mir keine adäquate Kommunikation erwarten. Da finde ich mich selbst richtig blöd. Oder die anderen sind blöd. Einer muss ja schuld sein. Da machen mich triviale Dinge unendlich traurig. Einmal im Monat verwandeln sich die Stimmen in meinem Kopf zu unberechenbaren Teufeln. Einmal im Monat fühlt es sich an, als würde ein dicker fetter Elefant auf meinem Uterus sitzen. Einmal im Monat verwechseln kleine Jungs meinen Unterleib mit einem Fussball und treten kräftig zu. Einmal im Monat, da fühle ich mich, als wurde ich von Scientologie einer Gehirnwäsche unterzogen. Da empfinde ich sogar das Gedudel von der Band Juli saustark und überaus ergreifend.
In einem weiblichen Termin Kalender sollte es eine extra Spalte geben, die uns an Hoch- und Tiefphasen unseres Hormonzyklus erinnert. Ein Bewerbungsgespräch am Freitag? Einen Moment, ich schau mal eben in meinen Kalender. Sehr gerne. Da meinen es meine Hormone gerade ausgesprochen gut mit mir und wir gehen Hand in Hand. Ich werde redegewandt sein, mein Hirn wird glasklar arbeiten und meine Optik gleicht dem blühenden Leben. Ein Date nächsten Samstag? Aahh sorry, aber da kann ich echt nicht. Das kann ich weder dir noch will ich mir diese Enttäuschung antun. Mein Körper legt nämlich ein Ei, musst du wissen und wenn es nicht genutzt wird, reißen Hormone alle Wände meines Unterleibs herunter und alle Dämme in meinem Gehirn brechen. Du würdest mich für depressiv und zickig halten. Ich werde aussehen wie ein vierzehnjähriges Mädchen in der Pubertät und du wirst dich fragen, ob ich den Begriff Haarshampoo noch nie gehört hab, so strähnig sind meine Haare. Nein, nein, da hab ich ein Date mit meiner Couch und Dr Oetker. Aber lass uns doch ein Date für den Samstag darauf ausmachen. Meine Haut wird strahlen, das Haar wird glänzen, mein Geruch wird dich betören und auch das 8. Glas Wein kann meiner Ausstrahlung nichts anhaben. Ich sollte mir wirklich überlegen, meine Wochenplanung an meinen Zyklus anzugleichen. Das würde mir und meinem Umfeld eine Menge ersparen.
Mit voller Wucht melden sich meine Hormone und toben sich an meiner Stimmung, Haut und Haaren, Körper, Leistungsfähigkeit und Schmerzempfinden aus. Diese winzigen Scharlatane, wenn ich euch in die Finger kriege. Ich werde euch die Ohren lang ziehen. Ihr foltert mich und dabei habe ich euch gar nichts getan. Ich möchte nicht dafür bestraft werden, dass ich nicht schwanger bin. Ich kann doch nicht ein Baby in Erwägung ziehen, nur damit ich endlich mal meine Ruhe hab. Ich möchte ein selbstbestimmtes Leben führen und ihr reißt andauernd das Steuerrad an euch und spielt Taktgeber für mein Leben: Ich hab Hunger. Ich bin müde. Ich hab Unterleibsschmerzen. Meine Beine tun weh. Mein Rücken tut weh. Meine Brüste tun weh. Lass mich allein. Komm her. Ich will Eierkuchen. Man reiche mir Nutella. Oder Erdnussbutter. Mh, Gewürzgurken. Ich bin fett. Meine Füße sind kalt. Ich schwitze. Ich hab Fieber. Ganz sicher. Ich muss weinen. Ich kann weinen, wann ich will! Ich hasse dich! Liebe mich! Gib‘ mir Süßigkeiten oder es eskaliert und niemand ist mehr vor mir sicher. Vor Gericht sollte mein Hormonzyklus bedacht werden, wenn es eines Tages mal um meine Zurechnungsfähigkeit gehen sollte.
Ich erwarte von meinen Mitmenschen unmögliches. Mehrere Tage lang terrorisiere ich sie, bin ekelhaft zu ihnen, unausstehlich, esse unappetitlich und sehe ebenso dabei aus und wenn meine Periode dann startklar ist, will ich von den selben Menschen, die ich eben noch vergrault habe, plötzlich liebkost und betüdelt werden und mein Selbstwert sollen sie gefälligst auch noch aufpäppeln, indem sie mir im Stundentakt versichern, dass ich schön  bin und nicht fett, liebenswert und ganz wunderbar. Da denkt man Montag noch an Trennung, einfach so, vollkommen ohne Grundlage, weil der Hormonteufel auf den Schultern eben gesprochen hat und Mittwoch plötzlich an Heirat. PMS heißt übrigens prämenstruelles Syndrom und laut wikipedia sind damit „äußerst komplexe Beschwerden“ gemeint. Ich bin mir sicher, sie nennen es PMS, weil es einfacher und heuchlerischer ist als Östrogen produzierte manisch depressive bipolare Störung anfällig für psychopathische Rage.

PMS, ich grüße dich, du kannst mich mal.

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Written by spreekitz

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