Bis in mein junges Erwachsenenleben hinein habe ich zur Stressbewältigung an Stiften geknabbert. Dafür habe ich angewiderte Blicke geerntet. Habe ich mal meine Federtasche vergessen, wollte mir niemand mehr einen Stift borgen und außerdem neigen die Leute ja dazu, sofort eine schwerwiegende Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren und schwups wollen sie meine angeknabberten Stifte ersetzen mit einer Couch beim Psychologen und einem Therapieball. Da ich nicht gewillt war, mich einweisen zu lassen, um mit weiteren sogenannten Verrückten Mandalas auszumalen, im Stuhlkreis Frühlingslieder zu singen und in traurigen Fluren auf und ab zu laufen, habe ich mein Stressbewältigungskonzept verändert. Ich trinke nun Alkohol. Das scheint mir gesellschaftsfähiger zu sein und wer will schon Teil einer gesellschaftlichen Randgruppe in Sachen Stressbewältigungsmethoden sein. Trotz täglichen Alkoholkonsums bei meinen Mitmenschen, habe ich noch nicht beobachtet, dass ihnen ein ernsthaftes Problem unterstellt wurde. Die Stifteknabberei habe ich nun ausschließlich in meine eigenen vier Wände verlegt und unter Privatsphäre abgeheftet, gleich neben Masturbation und Sauce Hollandaise löffeln. Eins sag ich euch, ihr Hobbypsychologen und Gelegenheitsempörte, es ärgert mich, dass es mich für 5 Minuten ärgert, wenn ihr aus meinen kleinen Liaisons mit Stiften ein psychisches Problem macht. „Diese Nervosität, woher kommt denn nur diese Nervosität?“, werde ich von tratschfreudigen, angeekelten oder wannabe besorgten Mitmenschen gefragt. „ADHS, Konzentrationsschwäche“, sage ich dann. „Außerdem eine schreckliche Kindheit, ein mangelndes Selbstwertgefühl und typische Langeweile der Generation Y, weil ich nicht bereit bin, mich mit dem Ernst des Lebens auseinander zu setzen.“ Es folgt ein schweigendes Nicken und ein bemitleidenswerter Blick. Das sind doch eh die Punkte, die die Leute dann erwarten, also mache ichs kurz und fütter sie, mit dem was sie hören wollen, anstatt mich auf scheinhafte Deep Conversations einzulassen, in denen ich mir Ratschläge, Weisheiten und Analysen reinziehen muss. Außerdem bin ich sehr harmoniebedürftig. Ich wünschte die Leute würden sich mal mit den wirklich wichtigen Fragen beschäftigen. Zum Beispiel, ob sie es gerecht finden, dass sie in Deutschland leben oder wie wir es ändern können, dass ein Nutellaglas keine 4568 Kalorien mehr hat und dennoch nicht an seinem sensationellen Geschmack verliert. Wer sich erhofft hat, an dieser Stelle einen lüsternen Beitrag zu lesen, voller Erotik, animalischen Gedanken und berauschenden Worten, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen. Ich wollte nur einmal die Hypothese überprüfen, ob sich mit dem Wort „Sex“ im Beitragstitel die Klickzahl erhöht. Außerdem dachte ich, wenn ich so lang nichts von mir lesen lasse, muss nun ein richtiger Knaller kommen, um meine Leserschaft wieder zurückzugewinnen. Bis bald, I am back!

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Written by spreekitz

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